Red sv. Jurija - Evropski red habsburško-lotarinške dinastije - St. Georgs‒Orden
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Slowenischer Adel (Slowenische Aristokratie)

grbi plemiških dinastij
Wappen aus dem 16. Jahrhundert,
BSB Cod.icon. 307, Sammlung von Wappen
aus verschiedenen, besonders deutschen Ländern

Maja Žvanut beschreibt in ihrem Buch Vom Ritter bis zum Herren, dass der Adelige vor allem ein Mensch war, der von den Möglichkeiten her, die ihm sein Stand bot, wirklich aus der Gesellschaft herausragte, doch dieser Stand ihm auch eine Vielzahl von Pflichten auferlegte. Mit seiner Umgebung teilte er die vielen schweren Nöte jener Zeit, Krieg, Krankheiten, Glaubenszwiste, Teuerungen, schlechte Ernten, Naturkatastrophen. Bauer und Adeliger hatten eine gemeinsame Heimat, gemeinsame Furcht und Ängste vor dem Tode und ewiger Verdammnis.

1335 begann die letzte Phase der Umwandlung von der Markgrafschaft Krain in ein Land, ein Prozess, der im Großen und Ganzen im Jahre 1500 endete; sein Territorium änderte sich danach bis 1918, als mit dem Zerfall von Österreich-Ungarn der Untergang beschieden war, lediglich wenig. Die Geschichte vom Entstehen von Krain im hohen und späten Mittelalter war voller Höhen und Tiefen von zahlreichen dynastischen Herrschern, die um Macht stritten. In dem letzten Zehntel des 13. Jahrhunderts kamen noch die Habsburger dazu, die unter anderem wegen ihrer Vitalität und glücklichen Händchen beim Abschluss von Familienverträgen als Sieger hervorgingen.

Der deutsche König Rudolf I. Habsburg hat 1282 Krain im damaligen Umfang zwar als Lehen an seine Söhne vergeben, die tatsächliche Verwaltung musste er schon drei Jahre zuvor seinen Verbündeten, Grafen von Görz für die geliehenen 20.000 Mark überlassen. Der andere Zweig der Familie, Görzer, hat gerade zu dieser Zeit die Ländereien der sogenannten slowenischen Mar erhalten. Nach dem Aussterben der herzoglichen Spanheimer riss der König von Böhmen, Ottokar II. Přemysl, der damals auch in Österreich und der Steiermark herrschte, Krain 1269 an sich und behielt das Gebiet bis zu seinem Tod in der Schlacht auf dem Marchfeld am 26. August 1278, aus der Rudolf von Habsburg, der neue römisch-deutsche König, als Sieger hervorging. In den darauf folgenden Jahrzehnten erweiterte man sich mit Gewalt, Kauf und Erbe, Land in Richtung des Adriatischen Meeres (Postojna/Adelsberg/, Laas, Vipava/Wippach). Ein schönes Stück Land fiel nach dem gegenseitigen Erbvertrag aus 1336 nach dem Aussterben des Istrien Zweiges der Grafen von Görz 1374 zu (Pazin, Grafschaft Möttling /Metlika/, die slowenische Mark), die aber schrittweise an Krain angeschlossen wurden. In diesem Prozess standen ihnen nur noch wenige von den übrig gebliebenen Grafen und Freiherrn entgegen: Ortenburger, Grafen von Cilli und Devin bzw. deren Erben Walseer, auch die beiden Bistümer von Gorenje (Oberkrain), Brižinsko (Freising) und Brixen. Das 15. Jahrhundert war für die Habsburger kritisch; die Dynastie spaltete sich von Innen auf, zwischen den einzelnen Zweigen kam es zu Reibereien, sogar bewaffneten Kämpfen. Der Höhepunkt wurde mit der Ernennung der Grafen von Cilli als Landesfürsten im Jahre 1436 erreicht, als es in den Händen von drei Grafschaften vereint wurde, was damals fast die Hälfte des heutigen slowenischen Gebietes bedeutete.

1364 hat Rudolf IV. Habsburg angefangen sich „Fürst von Krain“ zu nennen, Laibach funktionierte zu dieser Zeit schon wenigstens teilweise als Hauptstadt dieses neuen Fürstentums, der Adel verlangte, dass der neue Regent persönlich ins Land zur Würdigung kämme, doch das hat Maximilian I. schon über Kommissare vorgenommen. Nach seinem Tode würdigten die Vertreter der innerösterreichischen Länder den neuen Landesfürsten Karl V. vom Augsburg.

Kaiser Maximilian I. rühmte sich, dass er viele Sprachen beherrscht, unter ihnen auch angeblich slowenisch, die er als Mittel für die Verständigung mit einigen fremden Herrschen achtete und nutzte, bekannt ist auch seine Überzeugung, dass die »linqua Sclavonica« unter allen Sprachen die meist verbreitete wäre. Ein vielsagendes Beispiel der Nutzung der slowenischen Sprache ist bei Sigismund Herberstein(1486-1566), der in seiner Autobiographie schreibt, er hätte Deutsch und Slowenisch in dem Geburtsort Wippach /Vipava/ erlernt. Als er später vom Kaiser nach Moskau als Diplomat entsandt wurde, hat er in seinem Buch Moskau Notizen einleitend geschrieben, dass er diesem Teil seiner diplomatischen Karriere der Beherrschung der slowenischen Sprache verdanke, da er vom Kaiser eben darum nach Moskau geschickt wurde.

Slowenisch war stark verbreitet, sowohl beim Adel, wie den Bürgern, man diskutierte sogar über philosophische und theologische Fragen in dieser Sprache. Das belegen die Worte von Primož Trubar, der Triester Bischof Bonomo hätte an seinem Hofe ihm und anderen Vergil, Erasmus und Calvin auch in slowenischer Sprache erklärt. Nach den letzten Erkenntnissen verliefen die Gespräche unter der Mehrzahl der Adeligen prinzipiell in Slowenisch das gesamte Mittelalter, aber auch später in der Neuen Welt, die slowenische Sprache bewahrte sich durch die gesamte Geschichte und wurde auch in den höchsten Kreisen benutzt, wie z.B. am Hofe des Kärntner Herzogs Bernard Spannheim aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert und am Hofe des Laibacher Fürstenbischofs Tomaž Hren Anfang des 17. Jahrhundert. Es bestehen auch Beispiele von Lehengelübden in Slowenisch, wie z.B. der Wortlaut des Gelübdes der Vasallen des Bischofs von Gurk 1637, welches bei der Kirche Maria Saal im heute österreichischen Kärnten stattgefunden hat. Der österreichische Slawist Kronsteiner meint deshalb “Das Bestehen von einem tausendjährigen deutschen Österreich ist ein Vorurteil und unwahr. Österreich war immer multikulturell, in seinem Zentralteil überwiegten zuerst Slowenen. Slowenisch war die Landessprache, nicht nur in Krain und Kärnten, sondern auch in der Steiermark, d.h. dem Gebiet des Königsreiches von Karantanien.«

Mitglied der Karolinger Dynastie und Urenkel von Karl dem Großen und karantanischer Herzog Arnulf, der ebenso wie sein Vater seine Unterschrift setzte mit »Rex Carantanorum« wurde 896 als letzter der Karolinger als heiliger römischer Kaiser gekrönt. In den Schriften vom 10. bis zum 12. Jahrhundert finden wir im Gebiet des ehemaligen Karantaniens viele Namen slowenischer Adeliger, wie zum Beispiel Sebigoj, Tešina, Negomir, Trdogoj, Rogič, Mila, Svetimir, Helica, Slavko und andere, meistens in der Umgebung vom Maria Saal und Karnburg. Übrigens, auch in der Obersteiermark sind slowenische Adelsnamen in den Urkunden bewahrt worden, wie z.B. Trdosav und seine Gattin Slava (12. Jahrhundert), der Name des Kronvasallen Trdogoj im Tal der Mura (Mur) 11. Jahrhundert und der Name der freien Frau Dobronega. Der heimische Adel von Karantanien hat sich langsam mit dem deutschen Adel zusammengeschlossen und allmählich deutsche Vor- und Familiennamen angenommen (bis ins neue Zeitalter zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert).

Quellen beweisen, dass die slowenische Sprache in den höchsten Adelskreisen auch in Fällen in Gebrauch war, wo die Adeligen germanische Vornamen und Familiennamen trugen, ohne Rücksicht auf deren Volksursprung. So hat in der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert der Kärntner Herzog Bernard Spannheim Ulrich Liechtenstein mit dem slowenischen Gruß: »Buge waz primi, gralwa Venus! « empfangen, obwohl die Spannheims aus dem Ruhrgebiet stammen. In den Versen des letzten mittelalterlichen Minnesängers – Troubadours Oswald Wolkenstein finden wir wenigstens zwanzig slowenische Verse bzw. Wortverbindungen. Einige slowenische adlige Familien haben ihre Namen verdeutscht, andere wieder erhalten, wie z.B. Plešavic, Naglič, Smrekar, Kerščaner, Mušlic, Osolniker, Križanič, Rob, Rohič, Palik, Hrobat, Pregl, Kanižar, Grebinčič, Pečaher etc.

Leitende Mitglieder und Präsidenten der Ende des 17. Jahrhundert gegründeten Academie Operosorum waren meist slowenischer Herkunft. Erster Präsident der Akademie war Graf Janez Krstnik Prešeren, Bauernsohn und Verwandter des Dichters France Prešeren, Sekretär aber war Janez Gregor Dolničar (1662-1714), übrigens auch Mitglied der Akademie der Arbeitenden, welcher Slowenisch in die kirchliche Arbeit und Rituale einführte.

Die Rolle der slowenischen Sprache in den schriftlichen und gegenseitigen Beziehungen änderte sich mit dem Erscheinen vom Kaiser Josef II., Sohn von Maria Theresia, der mit dem Regieren „von Oben“ versuchte, Österreich Deutsch zu machen, was ihm in großem Masse auch gelungen ist. Die Kaiserin Maria Theresia hatte auf ihrem Hofe einige Adelige, die aus Krain stammten, unter ihnen die Auersperger, Fürsten und Grafen Cobenzl, Grafen Lanthiere, Baron Lazarini, Gräfin Rozalija (Rosalie) Edling und Janez Filip, der Konferenzminister in Wien, zuletzt Abgesandter am Pariser Hofe war.

Drago Medved